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Haus in Lutzmannsburg: Wie wir das Innen nach Außen geholt haben

Esszimmer mit ovalem Tisch und Holzstühlen, große Fenster zur Gartenansicht, helle Wände und moderne Regale.
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Autor: Horst Steiner Innenarchitektur

Manche Häuser haben alles, was man braucht – und trotzdem stimmt etwas nicht. Die Räume sind da, der Garten ist da, aber beides existiert nebeneinander her. Man sitzt drinnen und schaut hinaus. Genau das war die Ausgangslage in Lutzmannsburg.

Die Aufgabe, die unsere Planerin Sandra von den Bauherren mitbekam, klang zunächst einfach: „Wir wollen das Innen nach außen holen.” Was dahintersteckte, war ein Umbau, bei dem fast jede Entscheidung – vom Bodenbelag über die Beleuchtung bis zur Farbwahl – auf dieses eine Ziel einzahlen musste.

Inhaltsverzeichnis

Die besondere Herausforderung

Ein historisches Gebäude, das seit Generationen in Familienbesitz ist, sollte bewahrt werden – und trotzdem komplett neu gedacht. Die Familie wünschte sich Offenheit, Licht, einen fließenden Übergang nach draußen. Gleichzeitig sollte die Geschichte des Hauses sichtbar bleiben. Es war einmal ein Weinhandel – das durfte nicht verschwinden. Und: Der Umbau musste barrierefrei sein. Schwellen, Stufen, enge Durchgänge – alles, was später zum Hindernis werden könnte, sollte jetzt schon gelöst werden.

Die Grenze zwischen drinnen und draußen verschwindet

Der erste und größte Eingriff betraf die Gebäudehülle. Wo vorher Mauer mit Fenster war, sind heute große Hebeschiebetüren und raumhohe Glaswände. Aufgeschoben verschwindet die Trennung zwischen Wohnraum und Terrasse fast vollständig – der Esstisch steht dann quasi im Garten, und die Terrasse wird zum zusätzlichen Zimmer. Über der Terrasse haben wir eine halbrunde Überdachung zugebaut – mit einem runden Glasausschnitt in der Mitte. An sonnigen Tagen fällt das Licht wie durch ein Oberlicht. An Regentagen sieht man den Himmel, während man trocken bleibt. Es ist ein architektonisches Element, das Schutz gibt, ohne abzuschließen.
Solche Öffnungen sind kein reines Gestaltungsthema. Sie greifen in die Statik ein, sie verändern die Bauphysik, sie müssen mit Beschattung und Heizung zusammenspielen. Das ist einer der Punkte, an denen sich zeigt, warum Planung und Umsetzung in einer Hand liegen sollten: Der Glasbauer, der Baumeister und der Elektriker müssen hier dieselbe Zeichnung im Kopf haben.

Der Boden, der nicht aufhören durfte

Optisch funktioniert diese Öffnung aber erst dann wirklich, wenn das Auge beim Übergang nach draußen nicht hängen bleibt. Und dafür braucht es einen Bodenbelag, der innen wie außen derselbe ist.

Die Wahl fiel auf Terrazzo – warm, gesprenkelt, langlebig und mit genau der Lebendigkeit, die zum bunten Farbkonzept des Hauses passt. Nur: Terrazzo in dieser Ausführung ist eigentlich kein Außenbelag. Frost, Nässe und UV-Licht machen ihm zu schaffen.

Hier hätte man leicht einen Kompromiss schließen können: innen Terrazzo, draußen etwas anderes, das ähnlich aussieht. Stattdessen wurde nach einer Lösung gesucht, bis eine Spezialfirma gefunden war, die eine für den Außenbereich taugliche Lösung in derselben Optik verlegen konnte. Das Ergebnis: Der Boden läuft durch, ohne Bruch, ohne sichtbare Schwelle. Genau dieses eine Detail ist es, das den Raum nach draußen weiterwachsen lässt.

Zum Mitnehmen: Wenn ein Material an einer wichtigen Stelle nicht funktioniert, ist die Antwort selten „dann eben etwas anderes”. Meistens gibt es einen Professionisten, der es doch kann. Man muss ihn nur finden – und das ist unser Job, nicht Ihrer.

Helligkeit als durchgehendes Thema

Das zweite große Thema war Licht. Die neuen Glasflächen bringen tagsüber enorm viel Tageslicht ins Haus. Aber ein Konzept, das nur bei Sonnenschein funktioniert, ist kein Konzept.

Im Badezimmer haben wir deshalb eine gespannte, dimmbare Lichtdecke eingebaut: LED-Streifen hinter einer Spanndecke, die den gesamten Raum gleichmäßig und schattenfrei ausleuchten. Kein punktuelles Spotlicht, das Schatten ins Gesicht wirft, sondern eine Fläche, die den Raum von oben mit Licht füllt – morgens hell, abends heruntergedimmt auf ein warmes Minimum.

Das ist mehr als eine Stilfrage. Mit den Jahren braucht das Auge deutlich mehr Licht, um Kontraste sauber zu erkennen – und es reagiert empfindlicher auf Blendung. Eine gleichmäßige, blendfreie und dimmbare Grundbeleuchtung ist deshalb eine der besten Investitionen in ein Bad, das über Jahrzehnte funktionieren soll.

Das Highlight: ein Bad mit Familiengeschichte

Wenn wir das Projekt auf einen Raum zuspitzen müssten, wäre es das Badezimmer.

Die Wünsche der Bauherren waren klar formuliert: eine große Dusche – und ein Waschmaschinenbereich, der gut zugänglich, aber nicht sichtbar ist. Zwei Anforderungen, die einander im Weg stehen, wenn man den Grundriss nicht sauber durchdenkt. Gelöst wurde es über einen eigenen, verdeckten Bereich: bequem erreichbar im Alltag, aber im Gesamtbild des Raums vollständig verschwunden. Wäsche gehört zum Leben – sie muss nur nicht das Erste sein, was man sieht.

Der emotionale Kern des Raums sind jedoch zwei Wände im Duschbereich. Dort sind Motive der Urgroßeltern der Bauherren als Folie auf Glas aufgebracht. Historische Schwarz-Weiß-Aufnahmen, großflächig, direkt im modernsten Raum des Hauses. Alt und Neu stehen hier nicht nebeneinander, sondern ineinander – und aus einem funktionalen Nassbereich wird ein Ort mit Familiengedächtnis.

Farbe, die etwas erzählt

Dieses Haus ist bewusst bunt. Das ist heute selten – und es war eine gemeinsame Entscheidung, kein Vorschlag „von oben”.

Das gelbe Möbelstück im Bad war ein zentraler Wunsch der Kundschaft. Es trägt ein bronzenes Waschbecken, es setzt den kräftigsten Akzent im ganzen Raum, und es ist der Punkt, an dem man sofort erkennt: Hier wohnen Menschen mit eigenem Geschmack.

Das Grün in der Küche ist kein Zufallston, sondern eine Anspielung: Der Ort hat eine Vergangenheit als Weinhändler-Adresse. Die grünen Fronten, die grüne Arbeitsfläche, die grünen Gläser im offenen Regal – das ist ein leiser Verweis auf die Geschichte des Hauses, den man nicht erklären muss, um ihn zu spüren.

Und weil ein Zitat allein noch kein Konzept ist, geht die Erzählung weiter: Für eine Schiebetür haben wir einen eigenen Druck aus Fotografien alter Holzfässer entwickelt. Die Tür grenzt das Wohnzimmer ab, ohne es abzuschneiden – sie lässt Licht und Umriss durch und bleibt dabei ein Bild. Abgrenzung und Transparenz in einem Element.

Geplant für die nächsten zwanzig Jahre

Was man auf den Fotos nicht sofort sieht, ist der zweite Auftrag, der über dem gesamten Entwurf lag: Das Haus soll altersgerecht und barrierefrei funktionieren – bis hin zur Befahrbarkeit mit dem Rollstuhl.

Das betrifft die bodengleiche Dusche, die schwellenlosen Übergänge nach draußen, die Bewegungsflächen im Bad, die Türbreiten – und auch den Außenweg, dessen Führung und Belag eigens geplant wurden, damit er sicher und bequem begehbar ist.

Der springende Punkt: Man sieht dem Haus nichts davon an. Keine Klinikoptik, keine nachträglich angeschraubten Hilfen. Barrierefreiheit ist hier keine Einschränkung des Entwurfs, sondern seine Voraussetzung – und genau deshalb bleibt sie unsichtbar.

Dazu kommt ein Element, das die Bauherren ausdrücklich wollten: ein großer Esstisch. Nicht das kleinste Modell, das gerade noch reicht, sondern einer, an dem Gäste selbstverständlich Platz haben. In einem Haus, das für Geselligkeit geplant wird, ist der Tisch der eigentliche Mittelpunkt – alles andere ordnet sich ihm unter.

Esszimmer mit ovalem Tisch und Holzstühlen, große Fenster zur Gartenansicht, helle Wände und moderne Regale.

Was dieses Projekt zeigt

Drei Dinge nehmen wir aus Lutzmannsburg mit – und sie gelten für fast jeden Umbau:

  1. Ein klares Leitmotiv trägt alle Einzelentscheidungen. „Das Innen nach außen holen” hat den Boden bestimmt, die Fenster, die Terrasse und sogar die Wegführung im Garten. Ohne dieses Leitmotiv wären es fünfzig gute Einzelentscheidungen geworden – aber kein stimmiges Haus.
  2. Technische Hürden sind Planungsaufgaben, keine Absagen. Der Terrazzo im Außenbereich war ein echtes Problem. Es wurde gelöst, weil jemand die Zeit investiert hat, die richtige Firma zu suchen.
  3. Persönliche Geschichte macht Räume unverwechselbar. Die Urgroßeltern auf Glas, das Grün als Verweis auf die Weinhändler-Vergangenheit, die Fassdauben auf der Schiebetür: Diese Details kann kein Möbelhaus liefern. Sie entstehen nur, wenn man vor der Planung zuhört.

Das ist der Grund, warum unser Erstgespräch nicht mit der Frage beginnt, welche Möbel Sie sich wünschen, sondern damit, wie Sie leben. Wen Sie einladen. Woran Sie hängen. Was aus Ihrer Vergangenheit mitkommen soll.

Alle Fotos zu diesem Projekt

Fotos: Haus in Lutzmannsburg

Denken Sie über einen Umbau nach?

Ob Sie Ihr Haus zum Garten hin öffnen möchten, das Bad neu denken oder eine Sanierung planen, die auch in zwanzig Jahren noch passt: Sprechen Sie mit uns, solange die Ideen noch offen sind. Erfahrungsgemäß ist das der beste Zeitpunkt – nicht erst, wenn schon alles feststeht.
Wir übernehmen den gesamten Weg: Planung, Visualisierung, Angebote aller Gewerke zu Ihrer Freigabe und die vollständige Koordination bis zur Übergabe. Sie entscheiden – wir kümmern uns um den Rest.