Empfangbereich, Bar & Lounge – ein Ort des Zusammenkommens

Gesamtkonzept eines Empfangbereichs
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Autor: Horst Steiner Innenarchitektur
Inhaltsverzeichnis

Mehr als ein Empfang – ein ganzer Ort zum Zusammenkommen

Ein Dachdeckerbetrieb, eine Partneruniversität und drei unterschiedliche Welten: Wie ein Raumkonzept aus einem Eingangsbereich einen Ort macht, an dem Menschen wirklich zusammenkommen wollen.

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Am Anfang stand eine ungewöhnliche Frage

Als wir das erste Gespräch mit unserem Auftraggeber geführt haben, stand schnell fest: Hier geht es nicht um einen Empfangsbereich im klassischen Sinn.

Der Betrieb – ein österreichisches Dachdeckerunternehmen mit langer Geschichte und enger Verbindung zur Universität – hatte eine klare Vorstellung davon, was dieser Raum leisten soll. Nicht repräsentieren. Nicht beeindrucken. Sondern verbinden.

Studenten, Dozenten, Auszubildende, Mitarbeiter aus der Verwaltung und Handwerker aus dem Betrieb – sie alle sollen denselben Ort aufsuchen können. Nicht nebeneinander, nicht nacheinander. Zur gleichen Zeit, auf natürliche Weise, ohne dass es sich gezwungen oder vorgeplant anfühlt.

Das war die eigentliche Aufgabe.

Gesamtkonzept eines Empfangbereichs

Ein Konzept in drei Zonen – und einem verbindenden Element

Die Lösung liegt nicht in der Trennung der Bereiche, sondern in ihrer Verbindung. Das Herzstück des Konzepts ist eine geschwungene, abgehängte Decke, die sich wie ein fließendes Band durch den gesamten Empfangsbereich zieht. Sie folgt keiner Geraden. Sie folgt dem Weg der Menschen.

Diese Decke verbindet drei Zonen, die jeweils einen eigenen Charakter haben – aber zusammen einen einzigen, stimmigen Raum ergeben.

Konzept eines Empfangbereichs mit Begnungszone

Zone 1: Der Empfang

Der erste Eindruck beginnt am Empfangstresen aus Holz. Klar gegliedert, warm in der Anmutung, professionell im Auftritt. Hier kommen Besucher an, hier beginnen Gespräche, hier entsteht der erste Kontakt zwischen dem Betrieb und der Außenwelt.

Dahinter öffnet sich der Raum – und lädt ein, weiter zu gehen.

Zone 2: Die Bar

Das Zentrum des Gesamtkonzepts ist die geschwungene Bar. Ihre Form ist kein Zufall: Sie bietet weder einen definierten Beginn noch ein klares Ende. Man kann sich von beiden Seiten annähern, man kann stehen oder auf einem der Hochstühle Platz nehmen, man kann kurz vorbeikommen oder länger bleiben.

Die Bar aus Eichenholz – mit natürlicher Maserung und organischer Kurve – ist handwerklich das anspruchsvollste Element des Raums. Hinter ihr: eine lebende Pflanzenwand, die dem gesamten Bereich eine Wärme gibt, die kein Bild vollständig erfassen kann. Kupferfarbene Pendelleuchten hängen herab, die runde abgehängte Decke darüber schließt den Bereich räumlich ein, ohne ihn zu begrenzen.

Diese Bar ist kein Servicetresen. Sie ist ein Treffpunkt. Ein Ort, an dem der Auszubildende morgens seinen Kaffee holt, an dem die Dozentin mit dem Betriebsleiter in der Mittagspause steht, an dem nach einem Seminar noch schnell etwas besprochen wird. Das geht nicht, weil die Bar schön ist. Das geht, weil die Bar genau dafür gemacht wurde.

Zone 3: Die Lounge

Wer mehr Zeit hat – oder mehr Ruhe braucht – findet sie in der Loungeecke. Ein modulares Sofasystem in warmen Grautönen, niedrige Tische, runde Hocker: alles so gestellt, dass kleine Gruppen entstehen können, ohne dass man sich absprechen muss, wer wo sitzt.

Im Rücken der Sitzgruppe: wieder die lebende Pflanzenwand, diesmal als raumhohe Fläche. Sie ist nicht Dekoration, sondern Hintergrund – sie schafft Tiefe und Ruhe gleichzeitig. Holzlamellen rahmen den Bereich seitlich ein, ohne ihn abzuriegeln.

Hier kann man eine Stunde sitzen, ohne dass es sich komisch anfühlt. Das ist seltener als man denkt.

Was die Decke leistet

Das verbindende Element – die abgehängte Deckengestaltung mit integriertem Lichtkonzept – ist mehr als ein gestalterisches Mittel. Sie übernimmt im Grundriss die Aufgabe, die in anderen Räumen Wände oder Türen übernehmen würden: Sie definiert Zonen, ohne sie zu trennen.

Wer den Raum von oben sieht, erkennt sofort, wie die fließende weiße Linie der Decke Empfang, Bar und Lounge miteinander verwebt. Wer im Raum steht, spürt es – ohne es benennen zu können. Man weiß intuitiv, wo man sich befindet. Und man kann trotzdem überall hin.

Das Lichtkonzept folgt derselben Logik: Indirektes Licht in den Übergangsbereichen, gezielte Akzente über der Bar und den Tischen, warme Pendelleuchten als Ankerpunkte. Kein Bereich wirkt wie eine Bühne, kein Bereich liegt im Dunkeln.

Gesamtkonzept eines Empfangbereichs mit integriertem Lichtkonzept

Was dieser Raum über das Unternehmen sagt

Räume kommunizieren immer – auch wenn niemand spricht.

Dieser Empfangsbereich sagt: Wir nehmen Begegnung ernst. Wir haben nachgedacht, wie Menschen zusammenkommen – und dann einen Raum gebaut, der das ermöglicht.

Er sagt auch: Handwerk und Wissen sind bei uns kein Widerspruch. Die Qualität der Ausführung – das Holz, die Pflanzenwände, die Deckengestaltung – spricht dieselbe Sprache wie die Partnerschaft mit der Universität. Präzision und Offenheit. Perfektion und Einladung.

Und er sagt etwas, das sich schwer in Worte fassen lässt, aber sofort zu spüren ist: Hier ist man willkommen. Nicht als Besucher, der warten muss. Sondern als Mensch, der gerne bleibt.

Was wir aus diesem Projekt mitgenommen haben

Gewerbekunden stellen oft zuerst die Frage nach Quadratmetern und Funktionen. Was dieser Betrieb gefragt hat, war eine andere: Wie soll sich dieser Ort anfühlen?

Aus dieser Frage ist ein Konzept entstanden, das funktioniert – weil es vom Menschen aus gedacht wurde, nicht vom Grundriss. Die Zonierung folgt dem Alltag der Menschen, die hier arbeiten und lernen. Die Materialien folgen dem, was der Betrieb repräsentiert: Handwerk, Verlässlichkeit, Qualität.

Das ist Innenarchitektur, die nicht nur auffällt, weil sie besonders ist. Sondern weil sie sich richtig anfühlt.

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