Was passiert, wenn ein Innenarchitekt eine Augenarztpraxis von Grund auf denkt

Warteraum einer Augenarzt Praxis
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Autor: Horst Steiner Innenarchitektur
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Über ein Projekt, das zeigt, wie viel Wirkung hinter Entscheidungen steckt, die man auf den ersten Blick gar nicht sieht.

Die Aufgabe, die hinter der Aufgabe steckt

Zwei Augenärzte hatten beschlossen, ihre eigene Praxis zu eröffnen, und sie kamen nicht mit einer Liste von Anforderungen. Sie kamen mit einem Bild davon, wie sich ihre Praxis anfühlen soll. Nicht repräsentativ, nicht klinisch korrekt, sondern menschlich. Ein Ort, in dem Patienten nicht zählen, wie lange sie noch warten müssen, weil der Raum selbst ihnen schon etwas abnimmt.

Das ist der Moment, in dem Innenarchitektur über Einrichtung hinausgeht. Wenn die eigentliche Aufgabe nicht die Quadratmeter sind, sondern das, was in ihnen passiert.

Ein Gebäude mit eigener Geschichte

Das Gebäude war nicht für eine Arztpraxis gebaut worden und das hat die Arbeit daran interessanter gemacht als jede Neubauhülle es je könnte. Alte Bausubstanz bringt Eigenheiten mit, an denen man sich reiben kann oder mit denen man arbeitet. Wir haben uns für Letzteres entschieden. Die Raumproportionen, die Lage der Fenster, die Struktur des Grundrisses wurden nicht überspielt, sondern als Ausgangspunkt genommen. Am Ende zeigt sich das Ergebnis dieser Entscheidung darin, dass die Praxis nicht so wirkt, als wäre sie in einen fremden Körper eingepflanzt worden, sondern als hätte der Raum immer schon auf genau diese Nutzung gewartet.

Was Licht in einer Arztpraxis leisten muss

Kaum eine Raumkategorie stellt an die Beleuchtung so widersprüchliche Anforderungen wie eine Arztpraxis. Untersuchungsräume brauchen eine präzise, blendfreie Helligkeit, die medizinische Arbeit ermöglicht ohne zu ermüden, während Wartebereiche eine völlig andere Qualität brauchen: eine Ruhe, die sich körperlich bemerkbar macht und den Puls ein bisschen senkt, bevor das Gespräch mit dem Arzt beginnt.

Beides zu lösen und gleichzeitig sicherzustellen, dass die Übergänge zwischen diesen Welten nicht hart wirken, war eine der zentralen technischen Aufgaben dieses Projekts. Wir haben direkte und indirekte Lichtquellen kombiniert, Lichttemperaturen aufeinander abgestimmt und dimmbare Leuchten eingesetzt, die es erlauben, dieselbe Praxis je nach Tageszeit und Situation in einem anderen Modus zu betreiben. Das Ergebnis sind Räume, die nicht nach dem Kompromiss aussehen, den sie darstellen.

Böden, die Orientierung geben

Im Warte und Empfangsbereich liegt ein Vinylboden in Holzoptik, der warm genug ist, um die Kante zur klinischen Kühle nicht zu überschreiten, und robust genug, um dem Alltag einer gut besuchten Arztpraxis standzuhalten. In den Untersuchungsräumen wechseln wir auf Fliesen und Steinzeug, nicht als Stilentscheid, sondern als räumliche Information: Man weiß intuitiv, in welchem Teil der Praxis man sich befindet, ohne dass jemand ein Schild aufhängen musste. Gute Gestaltung erklärt sich selbst.

Möbel nach Maß

Sämtliche Möbel dieser Arztpraxis sind Einzelanfertigungen, und das hat einen einfachen Grund: Standardlösungen hätten an keiner Stelle wirklich gepasst. Der Empfangstresen braucht eine Höhe und Tiefe, die auf den Arbeitsablauf des Teams abgestimmt ist, nicht auf den Durchschnitt eines Möbelkatalogs. Die Sitzgelegenheiten im Wartebereich müssen für ältere Patienten genauso funktionieren wie für jüngere, mit einer Sitztiefe und Sitzhöhe, die niemanden in eine ungute Lage bringt. Als Innenarchitekt beginnt diese Arbeit lange vor der eigentlichen Möbelplanung, nämlich beim Verständnis dafür, wer diesen Raum täglich nutzt und was dieser Mensch braucht.

Schallisolierung als Haltung, nicht als Technik

In einer Arztpraxis werden Dinge besprochen, die nirgendwo anders besprochen werden. Diagnosen, Ängste, Fragen, die Patienten sich manchmal selbst kaum zu stellen trauen. Diese Gespräche gehören ausschließlich dem Raum, in dem sie stattfinden. Deshalb war Schallschutz in diesem Projekt keine technische Anforderung, die am Ende der Planung noch irgendwo eingebaut wurde, sondern ein Grundsatz, der die Raumaufteilung, die Materialwahl und die Positionierung jedes einzelnen Behandlungsraums von Anfang an bestimmt hat. Diskretion lässt sich nachrüsten, aber wirklich planen lässt sie sich nur von Anfang an.

Sieben Personen, fünf Räume, ein Grundriss

Ein siebenköpfiges Team, das täglich durch fünf Behandlungsräume arbeitet, hat einen Rhythmus, den man als Innenarchitekt nicht erfinden kann und auch nicht erfinden sollte. Wir haben diesen Rhythmus vor der ersten Planung verstanden, indem wir gemeinsam mit den Auftraggebern durchgegangen sind, wer sich wann wohin bewegt, wo Patientenströme und Teamwege sich kreuzen und wo sie sich trennen sollten. Der Grundriss, der daraus entstanden ist, sorgt heute dafür, dass niemand im Team über Wege nachdenken muss. Man geht einfach, und es stimmt.

Was die Praxis über ihre Ärzte sagt

Jede Arztpraxis, die ein Innenarchitekt gestaltet, ist am Ende auch ein Porträt derer, für die sie gebaut wurde. Das Gelbgrün, das sich als Akzentfarbe durch die gesamte Praxis zieht, ist nicht dekorativ gemeint, sondern aussagekräftig: frisch und klar, ohne aufgeregt zu wirken, genau wie die Ärzte selbst. Die Materialien sind hochwertig ohne Aufwand zu demonstrieren. Die Räume sind einladend ohne sich anzubiedern. Alles zusammen ergibt ein Bild zweier Mediziner, denen ihre Arbeit wichtig ist und ihre Patienten genauso.

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Wir gestalten Räume, die zu den Menschen passen, die darin arbeiten und jenen, die sie aufsuchen, von der Planung über die Materialauswahl bis zur Koordination aller beteiligten Professionisten. Sprechen Sie mit uns, unverbindlich, direkt und ohne Umwege.

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